EVENTS - BENACO AUTO CLASSICHE
[ 14.05.2010 ] - Bericht über die Bayern Fahrt des Club „Benaco Auto Classiche Bardolino“

Vom 8. Bis 11. Mai 2010 waren 15 Oldtimer, zusammen mit einem Porsche Cayenne als begleitenden Servicewagen, von Bardolino am Gardasee nach Bayern unterwegs. Der Club „Benaco Auto Classiche Bardolino“, 2005 von Freunden klassischer Automobile gegründet, hatte sich zum Ziel gesetzt, 2010 erstmals eine Ausfahrt über mehrere Tage ins benachbarte Ausland zu unternehmen. Als zuständiger Vorstand für Auslandsbeziehungen hatte ich die Organisation zu übernehmen. Für mich, einem geborenen Münchner, war es da selbstverständlich, dass ich meinen italienischen Freunden einen Teil unseres wunderschönen Bayernlandes zeigen wollte.
Neben einer Fahrt durch herrliche Landschaften mit blühenden Wiesen sollte natürlich auch die Kultur nicht zu kurz kommen. Es boten sich zur Besichtigung die Schlösser Neuschwanstein und Linderhof an. Ein absolutes muss für jeden Besucher Bayerns. Als zentralen Ausgangspunkt wählte ich das malerische Rottenbuch im Pfaffenwinkel mit der barocken Stiftskirche, das ich schon in jungen Jahren häufig besuchte und zum Glück fand ich dort auch mit dem Landhotel „Moosbeck-Alm“ ein außerordentlich gemütliches 3-Sterne Hotel. Damit wir abends nicht mehr außer Haus mussten, entschied ich mich für Halbpension, was wir nicht bereuten, denn der Service und das Essen welches die Herren Gruber boten, waren ausgezeichnet. Ab November 2009 war ich mit der Gesamtorganisation beschäftigt. Viermal bin ich zusammen mit meiner Frau von Rottenbuch aus die Fahrstrecken abgefahren und habe dann ein Roadbook erstellt mit allen Strassen und Kreuzungen, überwiegend kaum befahrene Nebenstrecken. Aber nun der Reihe nach.
Am Samstag, den 8. Mai 2010 trafen wir uns um 8.00 Uhr in der Yacht Bar in Bardolino zum Frühstück. Nach einem ausführlichen Briefing und dem Verteilen der Roadbooks, verabschiedeten wir uns von den zurückgebliebenen Clubkameraden und starteten um 9.00 Uhr bei schönem Wetter nach Affi, wo wir auf die Autostrada A22 Richtung Brenner fuhren. Nach zwei kurzen Pausenstopps in Laimburg-Ost und Trens verließen wir die Autostrada bei der letzten Ausfahrt vor dem Brenner. Nun fuhren wir, immer noch bei Sonnenschein, die alte Brennerstraße nach Innsbruck, durchquerten die Tiroler Metropole und erklommen mit unseren Oldies den Zirlerberg ohne Probleme. Das heißt, in Innsbruck haben wir einen Teil der Gruppe verloren. Aber mittels Handy haben wir sie in Seefeld wieder aufgespürt, wo wir im Brotzeitstüberl des MPreis Supermarkts unseren Mittagsimbiss einnahmen. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen. Zum Glück waren es nur zwischenzeitliche Gewitterschauer. Weiter ging die Fahrt über Mittenwald, Wallgau, Walchensee, den Kesselberg hinab nach Kochel am See. An diesem Samstag waren offensichtlich, außer uns, auf diesen Straßen nur wenige unterwegs. Über Murnau, Bad Kohlgrub und Saulgau erreichten wir, inzwischen bei Sonnenschein, auf der „Romantischen Straße“ schließlich am späten Nachmittag Rottenbuch. Bis zur Moosbeck-Alm, unserem Quartier für die nächsten Tage, war es nur noch ein Katzensprung. Hier stieß auch ein weiterer Clubfreund zu uns, der direkt aus Paris angekommen war. Die Zimmerbelegung hatte ich schon vorher festgelegt, so dass dies alles schnell und reibungslos von statten ging.
Zum Abendessen gab es jahreszeitgemäß leckeren weißen Spargel mit Schnitzel. Das König Ludwig „Dunkel“ mundete sogar meinen weinverwöhnten Freunden. Entsprechend locker war die Stimmung, auch weil wir glücklich waren, ohne Panne angekommen zu sein. Das Outfit dreier italienischer Damen war die große Überraschung des Abends. Sie kamen zum Abendessen in einem original bayerischen Dirndl. Eine Hommage an das Gastgeberland. So ließen wir den ersten Abend in der gemütlich rustikalen Stube hochzufrieden und entspannt ausklingen.
Mit Glockengeläut von der nahegelegenen Rottenbucher Stiftskirche und herrlichem Sonnenschein wurden wir am nächsten Tag geweckt. Es war Sonntag der 9. Mai. Nach einem ausgiebigen Frühstück und nachdem jeder so gut es ging seinen Oldie gesäubert hatte, brachen wir um 9.00 Uhr pünktlich auf. Die Fahrt ging durch verschlafene Dörfer, blühende Wiesen und stille Landschaften über Peißenberg und Weilheim, am Ammersee entlang nach Herrsching, wo mein Freund Bernhard ein Treffen bei Auto-Feyrer Classic für uns arrangiert hatte. Unsere Ankunft verzögerte sich etwas, weil sich wieder ein Paar Teilnehmer an einer Ampel in Weilheim verfahren hatten. Anstatt geradeaus zu fahren, bogen sie rechts ab. Mir schwante Böses. Wenn es schon auf dieser kurzen Strecke, trotz Roadbook und meiner ständigen Kontrolle nicht gelang, Kurs zu halten, wie würde es erst werden, wenn wir in den Sonntagnachmittags Verkehr kämen. Meine Sorge sollte sich jedoch als unbegründet herausstellen, denn dies war das letzte Mal, dass sich jemand verfahren hatte. Der Besuch bei Feyrer erwies sich als echtes Highlight. Wir wurden durch die Inhaber mit Prosecco und kleinen Köstlichkeiten in Anwesenheit einiger anderer Gäste herzlich empfangen. Bei einem Rundgang durch die einzelnen Hallen des Autohauses konnten wir edle klassische Automobile bewundern und erfahren, wie alte Karossen perfekt restauriert werden.
Nach diesem sehenswerten Besuch fuhren wir zum Heiligen Berg nach Andechs, wo wir im schönen Biergarten des Klostergasthofs zu Mittag aßen, nachdem wir unsere Autos im abgesperrten Brauereiparkplatz sicher abstellen durften. Die Attraktion war ein im Ganzen gebratenes Spanferkel, welches vor unseren Augen flambiert wurde. Anschließend besichtigten wir die Walfahrtskirche, unter Führung meiner Tochter Sabine. Über den Starnberger See und Seeshaupt ging es ohne den von mir befürchteten Sonntagsverkehr auf kleinen Seitenstraßen zurück nach Rottenbuch. Diese Fahrt war richtig zum Genießen. Besonders wenn man offen fahren konnte. Peter erzählte mir nachher, er sei in seinem roten 190 SL so glücklich gewesen, dass er sich eine Zigarre angezündet und nicht nur diese, sondern auch die vorbeiziehende Landschaft in vollen Zügen genossen hätte. Als wir um 17.30 Uhr pünktlich in Rottenbuch, aus Böbing kommend, den letzten Berg erklommen hatten und in den Klosterhof einbogen, wurden wir zu unserer großen Überraschung von einer Musikkapelle begrüßt. Ich hatte zwar mit dem Bürgermeister Andreas Keller vereinbart, dass wir von ihm offiziell empfangen werden, aber mit einem solchen Aufgebot habe ich wirklich nicht gerechnet. Das war aber noch nicht alles. Auf dem Platz standen einige automobile Vorkriegsveteranen von einem ortsansässigen Autohaus und Herrn Kellers reizende Ehefrau und seine Schwiegermutter ließen es sich nicht nehmen, uns mit selbstgebackenem Kuchen und einer Auswahl von Getränken zu verwöhnen. Nachdem wir unsere Autos in Stellung gebracht hatten, wurden über eine installierte Lautsprecheranlage Grußworte und Geschenke ausgetauscht.
Bürgermeister Ivan de Beni von Bardolino gab uns für seinen Kollegen in Rottenbuch ein Schreiben und einen Stich von Bardolino mit, was Andreas Keller ebenfalls mit einem Schreiben und einem Bild erwiderte. Mit Herrn Werner Schubert war auch die Presse vertreten. Zwei Tage später erschien in der örtlichen Presse ein Bericht über unseren Besuch in Rottenbuch, zusammen mit einem Bild. Am Tag vor unserer Anreise war unsere Ankunft auch schon im Gemeindeblatt angekündigt worden. Für diesen warmherzigen Empfang bedanken wir uns auch an dieser Stelle nochmals sehr herzlich bei Familie Keller. Vielleicht können wir uns auch mal in Bardolino revanchieren. Als ein kräftiges Gewitter unsere fröhliche Runde aufscheuchte, suchten wir schnellstens das Trockene und fuhren in unser Hotel zum Abendessen. An diesem Abend genossen wir Kalbsfilet in Schwammerlsoße mit Spätzle. Die restlichen Stunden bis zum zu Bett gehen gingen sehr harmonisch und viel zu schnell vorüber. Es gab ja viel zu erzählen.
Am Montag, den 10. Mai stand der Besuch der Königsschlösser auf dem Programm. Auch an diesem Tag starteten wir nach dem Frühstück bereits um 9.00 Uhr in Richtung Hohenschwangau. Die Sonne legte heute eine Pause ein. Hin und wieder gab es einen kleinen Regenschauer. Über Steingaden fuhren wir auf der „Romantischen Straße“ am Bannwaldsee vorbei nach Hohenschwangau. Auf dem Alpsee Parkplatz war für uns ein abgesperrter Bereich reserviert, so dass unsere „Schätzchen“ etwas abseits des Trubels abgestellt waren. Parkplätze und Schlossführungen hatte ich selbstverständlich lange vorher reservieren lassen. Mit dem Bus fuhren wir zur Marienbrücke, wo wir die traumhafte Kulisse bewundern konnten. Danach zu Fuß zum Schloss Neuschwanstein, Schlossführung und anschließender Imbiss im Schlosscafe. Der Rückweg zum Parkplatz gestaltete sich sehr feucht, weil es inzwischen zu Regnen angefangen hatte. Als wir durchnässt unsere Fahrzeuge erreichten schien wieder die Sonne und dabei blieb es für die nächsten Stunden. Nun ging es über Füssen, nach Österreich und über Reutte am Plansee vorbei zurück nach Deutschland und nach Linderhof. Auch hier bekamen wir einen separaten Parkplatz zugewiesen. Nach der Schlossführung besichtigten wir auch die Grotte in der sich der einsame König Ludwig seinerzeit von den Opernklängen seines Freundes und Komponisten Richard Wagner verzaubern ließ. Auf dem Rückweg über Ettal durchfuhren wir den weltberühmten Passionsspielort Oberammergau wo ich meinen Freunden die herrlichen Lüftlmalereien an den Häuserfronten zeigen konnte. Auf dem restlichen Heimweg goss es in Strömen und ausgerechnet jetzt blieb der Lancia von Dominique stehen. Für unseren Service Mann Cipriano offensichtlich kein Problem, denn kaum hatte er die Motorhaube geöffnet, lief der Wagen wieder, so dass alle pünktlich zum Abendessen die Moosbeck-Alm erreichten. An unserem letzten Abend gab es Bayerisches. Schweinsbraten mit Kraut und Knödel. Dieses Nationalgericht haben alle mit Genuss gegessen und dazu schmeckte natürlich das königliche Gebräu besonders gut. Dieser Abschiedsabend sollte besonders gefeiert werden und deshalb kamen die drei Damen wieder mit einem Dirndl gekleidet. Ich wollte die Bayerische Tradition nicht nur von „Italienern“ hochhalten lassen, deshalb trug auch ich für diesen Anlass Tracht. Da musste meine Oktoberfest Lederhose herhalten. Zu später Stunde kleidete der Wirt, zum Gaudium aller, auch noch Eugenio mit einer seiner Lederhosen ein. Unser Präsident Alessandro und sein Vize Nino prämierten die Teilnehmer und verteilten Geschenke. Anschließend wurde augelassen bei Gesang und Tanz gefeiert. Alle waren sich einig, dass diese Reise ein wunderschönes Erlebnis in einer harmonischen Gruppe war.
Am nächsten Tag, den 11. Mai, besuchten wir noch die einzigartige Rokoko Wieskirche, wieder unter Führung von Sabine, bevor wir uns von einigen Teilnehmern verabschieden mussten. Dominique fuhr nach Paris zurück, Erwin nach Würzburg und Roberto, der Probleme mit seiner Batterie bekam nahm zusammen mit unserem Techniker Cipriano den direkten Rückweg über den Brenner. Wir anderen fuhren gemütlich bei schönem Wetter über Garmisch, Ehrwald, Fernpass, Landeck und Reschenpass nach Meran und wählten für die Fahrt bis Affi die Autostrada ab Bozen. In Cavaion sammelten wir uns zu einem kleinen Imbiss und Abschiedstrunk. Alle sind wohlbehalten angekommen, haben die gut 1.000 km schadlos überstanden und waren sich einig, dass dies nicht die letzte „große Fahrt“ gewesen sein sollte. Ich denke, dass unser Ausflug einiges zur Völkerverständigung beigetragen hat. Nicht nur zwischen Bardolino und Rottenbuch.
Max Bauer
back »
|